Der Hut des Kommandeurs Major von Beczwarzowsky


Zwischen 1937 und 1940 übergab Major Brikers, Leiter des Wehrmeldeamtes Delitzsch, dem Museum Delitzsch insgesamt 15 historische Militärstücke. Im Jahr 1943 wurden diese Objekte unter der Nummer 123 im Eingangskatalog des Museums verzeichnet. Unter den überlieferten Effekten befinden sich ein sogenannter Zweispitz aus der „Manufactur aller Militär-Effekten Ferd. Titel Berlin Linden 30“ sowie die dazugehörige Hutschachtel.

Der Zweispitz selbst besteht aus Pappe und samtigem Filz. Er ist mit einer schwarz-weißen preußischen Kokarde, einem grauen Litzenband mit Messingknopf sowie eingelegtem Metallgespinst an den beiden spitzen Enden ausgestattet. Vergleichbare Stücke finden sich in vielen heimatkundlichen Museen auf dem Gebiet des ehemaligen preußischen Staates. Im Inneren dieses Exemplars befindet sich auf einem dünnen, bräunlichen Leder eine heute nicht mehr lesbare Beschriftung. Von besonderem Interesse ist daher die erhaltene Hutschachtel, da solche Objekte aufgrund ihres empfindlichen Materials und ihres geringen Schauwertes nur selten überliefert sind.

Foto: Marina Künzel. Bild mit KI optimiert.

Auf dem Deckel der Schachtel ist in verblasster, bräunlicher Schrift der Name „Major von Beczwarzowsky“ zu erkennen. Dieser Hinweis führt zu der Frage nach der Identität des früheren Besitzers. Von Beczwarzowsky war von 1842 bis 1846 Kommandeur des 1. Bataillons des 32. Landwehrregiments im 4. Preußischen Armeekorps mit Standort in Delitzsch. Das Korps hatte seinen Hauptsitz in Magdeburg und unterhielt mehrere Garnisonen innerhalb der preußischen Provinz Sachsen, darunter Dommitzsch (Eskadron Husaren), Mühlberg (Kompanie reitende Artillerie), Delitzsch (Landwehr-Stamm des 1. Bataillons des 32. Regiments), Spremberg (Landwehr-Stamm) und Torgau (königliches Proviant- und Fourage-Amt sowie Festung).

Die besondere Struktur der Landwehr führte dazu, dass in Delitzsch und Spremberg lediglich der sogenannte Stamm der Bataillone stationiert war. Dieser bestand aus länger dienenden Gefreiten, Feldwebeln, Unteroffizieren und Offizieren. In Delitzsch waren diese Dienstgrade mangels Kaserne im Schlossbezirk untergebracht, wodurch der jeweilige Kommandeur zugleich die Dienstwohnung eines „Schlossherrn“ innehatte. Die Mannschaften hingegen wurden jeweils im Frühjahr und Herbst einberufen und absolvierten in dieser Zeit ihre Übungen im freien Gelände.

Die militärische Laufbahn von Beczwarzowsky begann bescheiden: Er diente zunächst als einfacher Jäger im Freikorps Lützow und arbeitete sich im Laufe der Jahre bis zum Offizier der Landwehr empor. Erste Bekanntheit erlangte er Anfang Juni 1813, als er als Oberjäger im Auftrag von Lützow mit einem Kommando von Ermsleben nach Aschersleben ritt, um dort eine Kasse zu beschlagnahmen. Der Auftrag gelang und die Kasse wurde ins Lager des Freikorps gebracht.

Innerhalb des Freikorps war Beczwarzowsky einer von vier Zugführern der Ulanenschwadron. Am 17. Juni 1813, beim überraschenden Angriff württembergischer Dragoner unter General Norman bei Kitzen nahe Leipzig, übernahm er eine entscheidende Rolle. Da der eigentliche Kommandeur der Ulanen, Premierleutnant von Kropf, an diesem Tag als Emissär in Leipzig weilte, führte Beczwarzowsky die führungslos gewordene Schwadron. Unter seiner Leitung griffen die Ulanen entschlossen an, um eingeschlossene Husaren des Freikorps zu befreien. Der Versuch blieb jedoch erfolglos, und erst die einbrechende Dunkelheit beendete die Kampfhandlungen.

Der Rückzug gestaltete sich gefährlich: Um preußisches Gebiet zu erreichen, mussten sich die Truppen auf das rechte Elbufer durchschlagen. Unter Beczwarzowskys Führung gelang es den überlebenden Ulanen und Kosaken, sich über Köttschlitz und Schkeuditz bis nach Raguhn zurückzuziehen, stets verfolgt vom Gegner. Bei Dessau überquerte die Gruppe schließlich die Elbe mit Kähnen. Da nicht genügend Platz für die Pferde vorhanden war, ritt Beczwarzowsky selbst in den Fluss – und die Tiere folgten ihm. Auf diese Weise konnten etwa 70 Ulanen sowie 50 Kosaken gerettet werden. Zudem hatte der überraschende Angriff der Ulanen kurzzeitig Verwirrung unter den württembergischen Dragonern gestiftet und dem bereits unbewaffneten Lützow die Flucht ermöglicht.

Im weiteren Verlauf des Feldzuges wurde Beczwarzowsky zum Offizier der Landwehr befördert. Im Rang eines Majors übernahm er schließlich, wie bereits erwähnt, von 1842 bis 1846 das Kommando über das 1. Bataillon des 32. Landwehrregiments in Delitzsch. Anschließend war er von 1847 bis 1848, ebenfalls als Major, Kommandeur des Landwehrbataillons in Halle, wo sich auch sein Wohnsitz befand.

Literatur:
Graupner, Mathias: Garnison und Militär in Delitzsch, in: Wilde, Manfred: Schloß Delitzsch, Beucha, 2000, S. 99-128.
Mühlner, Waldemar: Die Lützower und unsere Heimat. Eine Erinnerung an 1813, in: Mitteilungen des Vereins für Heimatkunde der Kreise Bitterfeld und Delitzsch, Heft 1/1939, S. 1-16.