ÜBER

Zur Schlossgeschichte

1389–91 ließ Wilhelm I. von Meißen eine mittelalterliche Wasserburg errichten, deren Turm bis heute erhalten blieb. Die Burg Delitzsch diente als Reiseresidenz für die sächsischen Herrscher und war Sitz der landesherrlichen Ämterverwaltung.
Ab 1540 fand die Umgestaltung zum Schloss im Stil der Renaissance statt. Während des Dreißigjährigen Krieges verwahrloste das Gebäude teilweise, wurde aber noch als Amtssitz genutzt.

Nach der sächsischen Landesteilung im Jahr 1657 fiel Delitzsch an das Sekundogeniturfürstentum Sachsen-Merseburg. Dessen Herzog Christian I. erkor das Delitzscher Barockschloss zur Reiseresidenz und zum Witwensitz und ließ es ab 1689 aus- und umbauen. So entstand ein Barockschloss nach französischem Vorbild, das noch heute mit seiner Innenausstattung beeindruckt.

Schloss Delitzsch von Norden. Kolorierte Federzeichnung von 1777.
In der linken Bildhälfte sind der Schlossturm und das Treppenhaus, dessen zwiebelförmige Haube um 1860 entfernt wurde, zu erkennen. Auch der Altan (Balkon) auf Rundbögen besteht heute nicht mehr.

Nach dem Erlöschen dieser sächsischen Nebenlinie im Jahre 1738 waren im Schloss ein Finanz- und Rentamt untergebracht. 1860 richtete man ein Frauengefängnis ein, das bis 1926 bestand. Im Jahr 1929 zog das Museum ein.

Heute ist das Delitzscher Barockschloss eine Kultureinrichtung und als architektonisches Kulturdenkmal unter Schutz gestellt. Im Gebäude befinden sich das Museum Barockschloss Delitzsch, die Tourismus-Information der Stadt, das Standesamt, die Kreismusikschule sowie der als Klanggewölbe genutzte Schlosskeller.

Barockgarten

Klein und fein liegt der Barockgarten westlich des Schlosses Delitzsch. 1692/93 nach den Plänen des dafür verpflichteten fürstlichen Hofgärtners Andreas Gotthart Carl und auf Drängen der hier lebenden Herzoginwitwe Christiane von Sachsen-Merseburg angelegt, spiegelte er die neueste Gartenmode »a la francaise« wider.

Das runde Broderieparterre und die strahlenförmigen Alleen sind heute wieder erlebbar.
Das trapezförmige Schmuckbeet im Süden konnte nicht wieder angelegt werden. Hier befindet sich heute der Parkplatz eines Mehrfamilienhauses.

Im Großen und Ganzen wird der Delitzscher Garten in zwei Bereiche eingeteilt: in das runde viergeteilte Broderie- und in das fächerförmige Rasenparterre.

Als Broderie bezeichnet man ein kunstvoll angelegtes Beet, das in seiner Gestaltung an Stickereien erinnert. Die Broderien wurden mit anorganischen Materialien, wie Sand, Ziegelbruch, Glas oder Kieselsteinchen gefüllt und mit niedrigen Hecken, meist aus Buchsbaum, gesäumt. In Delitzsch verwendete man für die Füllung verschiedenfarbigen Ziegelbruch.

Die Umrandung, die heute aus Buchsbaum besteht, bildeten früher Stachel- und Johannisbeersträucher und vor allem Kräuter, wie Lavendel, Baldrian, Thymian und Salbei.